Die Biotonne steht oft unscheinbar da. Meist gruen. Manchmal braun. Und fast immer missverstanden. Oft landet alles darin, was auf den ersten Blick biologisch aussieht. Apfelschalen? Klar. Kaffeefilter? Vielleicht. Beim fettigen Pizzakarton wird es heikel. Die Biotonne gleicht einem WG-Mitbewohner – nett, aber regelbewusst. Missachtet man die Regeln, wird es unangenehm. Dann riecht es uebel. Oder schlimmer noch: Der Inhalt wird komplett aussortiert. Ein Nachbar erzaehlte mir mal, er habe Blumen in die Biotonne geworfen. Inklusive Topf. „Sind doch Pflanzen“, sagte er ganz ueberzeugt. Tja. Frag Mike Die Biotonne denkt da anders. Organisch ja, aber sauber getrennt.

Was gehoert rein? Kuechenabfaelle sind der Klassiker. Obst- und Gemuesereste, Schalen und Kerne. Brot geht auch, solange es nicht schimmelt wie ein vergessener Keller. Eierschalen sind okay. Kaffeepulver ebenfalls. Sogar mit Filter, wenn er aus Papier besteht. Teebeutel? Ja, aber nur ohne Metallklammer. Das klingt kleinlich, ist aber entscheidend. Denn was nicht verrottet, bleibt uebrig. Und endet letztlich im Restmuell. Ironisch, nicht wahr? Viele Gemeinden geben kleine Vorsortierhilfen aus. Diese braunen Papiertueten. Sie sorgen fuer mehr Ordnung in der Kueche. Und sie vergehen spaeter wie Herbstlaub. Plastiktueten sind der groesste Feind. Auch wenn „Bio“ draufsteht. Im Kompost verhalten sie sich wie Kaugummi im Haar.
Dann gibt es die Grauzone. Gekochte Essensreste zum Beispiel. In kleinen Mengen erlaubt, in grossen eher nicht. Fleisch? Kommt auf die Kommune an. Manche erlauben es, andere verbieten es. Der Grund ist einfach. Fleisch zieht Tiere an. Ratten. Maden. Keine Tiere, die man zu Hause haben will. Ein Freund aus Hamburg schwoert, dass seine Biotonne mehr Action sieht als ein Krimi. Seitdem friert er Reste ein. Und bringt sie erst kurz vor der Leerung raus. Klingt verrueckt. Funktioniert aber. Gartenabfaelle sind in der Regel erlaubt. Laub, Gras und kleine Zweige. Aber auch hier gilt: Nicht uebertreiben. Einmal versuchte jemand, einen halben Baum loszuwerden. Die Tonne war sichtbar ueberfordert. Und randvoll.
Warum der Aufwand? Weil aus Bioabfall Neues entsteht. Kompost. Humus. Naehrstoffreicher Boden. Ein beinahe poetischer Kreislauf. Aus der Banane von heute wird die Tomate von morgen. Wenn alles sauber getrennt ist. Biogasanlagen nutzen den Abfall sogar zur Energiegewinnung. Strom aus Kartoffelschalen. Waerme aus Kaffeesatz. Das klingt magisch, ist aber Technik. Falsch sortierte Tonnen bremsen den Prozess. Sie machen alles teurer und ineffizient. Am Ende zahlt die Allgemeinheit. Trennen ist kein Selbstzweck. Es ist Teamarbeit.
Die Biotonne hat auch eine soziale Seite. Sie verrät viel über Gewohnheiten. Ueber Konsum. Über den Umgang mit Ressourcen. Wer sie bewusst nutzt, denkt reflektierter. Man ueberlegt ploetzlich, warum so viel weggeworfen wird. Die Tonne wird zum Spiegelbild. Nicht immer schmeichelhaft. Aber ehrlich. Und manchmal sogar amuesant. Wenn man beim Oeffnen denkt: „Oh je“. Genau dann entfaltet die Biotonne ihre Wirkung. Leise, ohne Applaus, aber mit Effekt.